Vendée Globe live

Freitag, 20. Januar 2017 um 00:27

Ja, wir waren nun also dort. Und Alex Thompson hat es nicht mehr ganz geschafft. Aber wir haben mit Tausenden von anderen dem Weltumsegler und Gewinner der Vendee Globe 2016 Armel de Cléac’h die Ehre erwiesen. Sozusagen als Moechtegernweltumsegler.
Das Ganze stand ganz im Zeichen der Kaelte: wir kamen um gut 14.00 Uhr an. Kehrten ein und sahen gleich die Live-Coverage an einem TV-Geraet im Lokal bei einer heissen Schokolade. Unterhaltung mit Leuten, die alle Abfahrten und Ankuenfte miterlebt haben. Sie meinten, die Ankunft sei irgendwie um 18 Uhr irgendwas, dabei lasen wir noch am Morgen, dass es frueher sei.
Kurz darauf waren sie alle verschwunden. Wir lasen dann nach, dass nun die Zieleinfahrt auf 15.30 angesagt war. Huch, nix wie los! Aber halt, das war 15.30 UTC, also 16.30. Gemach, gemach. Also noch einen Pulli fuer die Skipperin kaufen, den sie schon lange gesucht hatte und evtl. einen Ersatz fuer die gestohlene Angel. Pulli hat dann geklappt.
Dann langsam Standort am Kanal sichern, weniger als eine Stunde bis zur Zieldurchfahrt. Danach sollte es schnell weiter gehen, schon 20 Minuten nach Zieldurchfahrt muessen die Segler in den Kanal einbiegen, dann Siegerehrung, Pressekonferenz etc.
Wir reihten uns also ein und bei sehr tiefen Temperaturen aber bei Sonnenschein war das gar nicht so unertraeglich. Dann tauchten langsam die Helikopter auf und schon sahen wir die Spitze eines Mastes mitsamt Segeln ueber der Hafenmauer und schon knallte es und das Zieleinlaufsfeuerwerk wurde gezuendet. Nun noch 20 Minuten und dann wuerde Arme le Cleac’h schon an uns vorbeiziehen.
Nach ueber einer Stunde begannen wir mal zu fragen, was los sei. Alle Leute schienen sehr ruhig und standen einfach da und hatten kein Problem mit der Verzoegerung. Grund: es fehlte uns ein Stueck Information bzw. wir besassen es, nutzten es aber nicht. Der Kanal war erst ab 18 Uhr fuer die Durchfahrt von so tief gehenden Schiffen offen, bis 1 Uhr nachts. Das erfuhren wir um 17.20 Uhr. Mittlerweile zogen die ganze Zeit Schiffe im Kanal in beide Richtungen an uns vorbei. Und darunter auch die Helena 1913, die wir schon in der Karibik gesehen hatten und in deren Bauch wir auch schon gebechert hatten. Ein Genfer Traditionsschiff. Vielleicht sehen wir sie im Verlauf noch.
Nun, 18 Uhr vorbei, nix geschieht, ausser dass es dunkler wird und sich die Sichtverhaeltnisse verschlechtern. Immer mehr Menschen stroemen herbei, alle ruhig. Nur wie zwei nicht. Wir sind zwar wirklich sehr warm angezogen, aber es ist beissend kalt. Wie machen das die Leute in Turnschuhen?? Man hoert, es solle um 18.03 oder dann um 18.10 losgehen. Nix.
Wohl so gegen 18.30 ist es aber dann soweit: tolles Feuerwerk, und natuerlich umso toller, je dunkler es ist. Die Kaelte ist fuer Momente vergessen und dann setzt sich der ganze Pulk von Schiffen unterschiedlichster Groesse, inkl einem Stand-up-Paddler in Bewegung ung geleitet den Siegreichen Meeres-Gladiatoren an den Tausenden von Fan-Kaisern vorbei zum Steg, an dem er dann erstmals seit 74 Tagen wieder einen Fuss auf fast festen Boden kriegt. Wahrlich eine Prozession wie aus dem Bilderbuch. Und mitten drin das 60 Fuss-Schiff mit Armel drauf, der zuvor zweimal hintereinander ’nur‘ zweiter wurde.
Das Warten hat sich einfach nur schon wegen der Lichtstimmung gelohnt. Feuerwerk aber auch die Kanalfahrt leben stark von Farben – der Segler zuendet dauernd Signalraketen, so etwas wie uebergrosse bengalische Zuendhoelzer. Das sieht bei Tag nicht mal halb so gut aus.
Dann war es vorbei und wir seeehr schnell weg. Rauf auf die Velos, die wir im Mietwagen mitgebracht hatten und raus zum Wagen, Heizung auf hoechste Stufe und wieder aufwaermen. Auch das ist uns noch gelungen und schliesslich sind wir dann zwei Stunden spaeter noch nett Essen gegangen in La Rochelle.
Nun Wetteranalyse fuer die naechsten Tage. Es steht die letzte normale Tagesetappe an, die uns in die Naehe von Bordeaux bringt, bzw. an die Ausfahrt der Gironde. Von dort geht es dann wohl in einem laengeren Schlag von ca. 140 sm als inkl einer Nachtfahrt nach Spanien. Das dann wohl erst am Montag, wenn wieder genug Wind ansteht. Aber das analysieren wir erst mal.
Bilder von heute gibts dann ein andermal, vielleicht schon morgen. Jetzt ist’s einfach zu spaet.

Nachtrag: unten nun doch ein paar verwackelte Bilder. Und Wind gibt’s morgen wenig. Wir segeln trotzdem weiter.

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