Im Norden Chiles

Der Tiger bzw Wicked Camper liegt hinter uns und eine ganz ordentliche Wegstrecke in Chiles Norden ebenfalls. Diesmal im Vergleich zum Camper in einer fuer unsere Verhaeltnisse und Erfahrungen absoluten Luxussaenfte. 4×4 mit toller Federung. Wir gleiten ueber Naturstrassen mit Schlagloechern oder Wellblech und hoeren und spueren einfach nichts. Im Camper mussten wir in diesen Situationen laut Musik hoeren. Jetzt begleitet uns sanfte klassische Musik. Das mag die werte Leserschaft jetzt nicht gerade vom Sockel hauen, aber es ist einfach ein so frappanter Unterschied zum vorherigen Monat, dass wir es erwaehnen muessen. Allerdings saeuft das Ding auch doppelt so viel Sprit wie der Tiger.
Wir sind aber auch sonst froh, dass die Kiste was auf der Kiste hat (was fuer eine Formulierung!), denn einige Strassen im Norden haben es schon in sich, insbesondere nach den starken Regenfaellen vor Kurzem: in einer Region, in der es in der Regenzeit normalerweise 5 Minuten Regnet, sind Regenfaellen ueber mehrere Tage aufgetreten mit einer Niederschlagsmenge, die es sonst in mehreren Jahren zusammemgenommen gibt. So sind in einer wuestenartigen Gegend, die aussieht, wie wenn sie gar nie Regen saehe, grosse Wasserschaeden zu sehen. Und eben auch schwierigere Strassenbedingungem bzw ganz gesperrte Strassen.
Wir haben aber wieder einmal Glueck, die geplante Route Arica-Putre-Salar Surire-Codpa-Iquique konnten wir fahren, obwohl uns das Militaer jeweils sagte, dass die Strassen nicht passierbar seien. Aber es war eher so, dass sie entweder diese kleinen Strassen gar nicht kannten und/oder keine Risiken eingehen wollten.
Auf alle Faelle durften wir vom am Meer liegenden Arica ins auf 3500 Metern liegende Putre durch imposante Gebirge, vorbei an Vulkanen, Tieren und Seen und manchmal Fels- oder Landschaftsbildern der Ureinwohner fahren. Am spaeteren Nachmittag ging es weiter auf 4500 Meter zum Lago Changará
und wieder zurueck nach Putre. Der naechste Tag wurde sehr lang mit Aufstehen um 6 Uhr und vielen fantastischen Kilometern durchs Altiplano zum Salar Surire, einem Salzsee, der jetzt aber eine Schicht Wasser fuehrt, die die Tiere (Flamingos, Vicuñas, Lamas, Enten, Strausse) vor den ueber 5000 und 6000 Meter hohen, von Schnee bedeckten Vulkanen noch zusaetzlich in eine interessante Farbenvielfalt einrahmt. Einfach wunderbar!
Die Fahrt zum Salar war einfach trotz Flussdurchquerungen. Aber danach ging es los. Die Strecke nach Codpa wurde uns schon als unter normalen Bedingungen sehr, sehr schlecht beschrieben. So war es denn auch. Die ueber 80 schwierigen Kilometer verlangten vor allem vom Wagen einiges ab, schuettelten aber auch die Passagiere ordentlich durch. Belohnt wurden wir aber wie ueblich mit spektakulaeren Landschaften, die so maechtig sind, dass man sich einfach immer nur winzig vorkommt. Die pazifische Meeresplatte, die sich unter die suedamerikanische Kontinentalplatte schiebt und die Anden aufgetuermt hat und die Vulkane hat entstehen lassen, sind einfach unheimliche Gewalten, die da am Werk waren und noch sind.
Jetzt sind wir wieder am Meer in Iquique. Die Stadt wurde gross dank dem Abbau von Salpeter fuer die Nitratgewinnung. Das war vor und nach der vorletzten Jahrhundertwende, bis ca. 1930. Krieg und spaeter die synthetische Herstellung von Nitrat liessen den Anteil Chiles an der weltweiten Nitratproduktion von 60% (!) auf heute unter 1% sinken. Die Gegend ist voll von alten Produktionsstaetten, die aber natuerlich zuerfallen sind. 50 km landeinwaerts von Iquique befindet sich aber noch eine Anlage (officina), die damals einer richtigen, wohlhabenden Kleinstadt entsprach. Humberstone (und gleich daneben Officina Santa Laura) heute Unesco Weltkulturerbe, ist ein grosses Gelaende, voll mit rostigen Ueberbleibseln und Gebaeuden aus der damaligen Zeit. Die Bedeutung dieser Industrie (und auch anderer Rohstoff-basierter Industrien heute) fuer Chile ist bzw war enorm.

Morgen geht es schon wieder weiter nach San Pedro de Atacama. Weiter Weg, aber er soll wiederum spektakulaer sein, besonders die Kuestenstrasse, bevor es wieder weit hinauf in die Atacama-Wueste geht.

2 Antworten zu “Im Norden Chiles”

  1. Anonymous sagt:

    Hallo ihr beiden Abenteurer. Die Strausse, die ihr gesehen habt sind Nandus. Strausse gibt es nur in Afrika. Die Landschaftsbilder sind atemberaubend! Danke! Gruss C+T

    • Anonymous sagt:

      Danke fuer die Nachhilfe! Wussten wir gar nicht.
      Wir haben mittlerweile auch herausgefunden, was die seltsamen Nager, die wir ab und zu gesehen hatten, sind: Chinchillas!

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