In der Warteschlaufe in St. Georges

Da sind wir wieder einmal. Zurueck von der Woburn-Bay in St. George’s wo wir ja schon mal lagen. Wir waeren ja schon lange reif fuer die Weiterfahrt. Aber eben, es fehlt noch ein Paket mit den Ersatzteilen fuer das Echolot. Eigentlich gestern hier angekommen. Aber dann passiert immer das selbe: zuerst flitzt das Paket in Windeseile um die halbe Welt, dann, kurz vor dem Ziel, heften sich plotzlich dicke Lehmklumpen an seine Beine, es wird langsamer und bleibt schliesslich im ueberall fast unueberwindlichen Sumpf und Morast der Zollbehoerden stecken. Um dann nach etwa der Zeit, die es gebraucht hat, dorthin zu finden, dem Empfaenger endlich uebergeben zu werden. Das soll morgen Nachmittag geschehen. Wenn wir Glueck haben, koennten wir dann noch am selben Abend los, aber gewiss ist nix. So bereiten wir uns noch weiter auf die nahende Gaesteperiode vor, die von Anfang Maerz bis Mitte April dauert. Und noch einmal duerfen wir morgens dem Cruisers Net lauschen. Eigentlich eine recht clevere Einrichtung. Immer um 7.30 Uhr morgens lauschen alle Segler Kanal 68. Betrieben wird das von der lokalen Segelausstattermafia und einigen Langzeitseglern, die hier wohl Wurzeln geschlagen haben. Und das geht dann so: zuerst wird gleich angefragt, ob jemand einen Einwand gegen die Sendung habe, man ist ja schliesslich in US-Reichweite und muss sich da erst mal absichern. Dann Empfangskontrolle. Dann werden die wichtigsten 2-3 Headlines von BBC World Service erwaehnt. Dann der Aufruf, ob jemand dringende medizinische Hilfe brauche oder einen Sicherheitshinweis fuer andere habe. Please transmit now. Seit wir hoeren waren alle gesund. Dann kommen Wetter- und Tideninformationen. Und auch, ob Kreuzfahrtschiffe in St. Georges erwartet werden. Dann wird abgefragt, ob es Neuankoemmlinge gebe. Please transmit now. Danach ob es Schiffe gibt, die auslaufen. Please transmit now. Langsam kommen dann die Highlights. Zuerst Businesses and Services. Da rufen sich die lokalen Geschaefte in Erinnerung. Alle paar Tage z.B. der Shopping-Bus, oder der Vegetable-Bus oder die Inselrundfahrt und natuerlich alles, was mit Schiffsreparaturen und -unterhalt zu tun hat. Nicht zu vergessen die Restaurants. Heute ist z.B. Burger-Night irgendwo. Und taeglich wird das Valentines day dinner irgendwo angekuendigt. Dann kommen Social Events. Hier meldet sich jeder, der etwas organisiert, z.B. eine Grillparty am Strand, oder ein Dinghi-Ausflug oder eine Charity-Veranstaltung zugunster einer Hilfsorganisation in Grenada oder ein Buecherswap. Dann unsere Lieblingsrubrik: Treasures of the bilge, also aufs Festland uebertragen etwa: Schaetze der Geruempelkiste. Hier kann man das anbieten, was man gerade nicht mehr braucht oder auch erwaehnen was man sucht. Das Ganze hat ein paar interessante Aspekte: es ist irgendwie wie Radio aber alle sind selber auch Sendestation. Dann wiederholt der Leiter praktisch alles, was gesagt wurde nochmals fuer diejenigen, die den Sender nicht oder nicht gut verstehen konnten. Da fragt man sich manchmal, wieso die das nicht einfach vorher an eine zentrale Stelle melden und das dann einmal runtergelesen wird. Aber eben, ist halt Funk und nicht Radio und muss auch nicht alles immer effizienter werden. Dann geht das Ganze langsam zu Ende. Manchmal gibt es einen Gedanken des Tages zum Abschluss. Danach setzt dann das gegenseitige Kontaktieren ein, denn Kanal 68 ist der allgemeine Kanal der Yachties. Von hier aus werden dann auf anderen Kanaelen die Gespraeche fortgesetzt. Irgendwie ist das Ganze in seiner Einfachheit genial. Und bald geht es also nach Venezuela. Darf eigentlich Chavez nun noch laenger im Amt bleiben? Wir werden da wahrscheinlich offiziell gar nie richtig einreisen und auch nicht richtig ausreisen. Hoffentlich bereitet uns das keine Probleme. Aber wir werden nicht die ersten sein, die das machen. Denn die verschiedenen Inseln muessen sehr schoen und ruhig sein, liegen aber vom Festland etwas entfernt und nur dort kann man den offiziellen Kram erledigen. Erst muessen wir aber hier weg!

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