Mithilfe erbeten

Liebe Begleiterin, lieber Begleiter meiner beiden Crew-MitgliederNach langer Zeit wende ich, die September, mich wieder einmal direkt an Euch. Es fällt mir nicht leicht, denn als Schiff hält man sich ja eher im Hintergrund und tut brav seinen Dienst. Und in letzter Zeit gab es ja auch kaum Anlass, selber einzugreifen. Ist irgendwie nicht viel los. Die Menschen scheint etwas Gröberes zu plagen. Ganz schlau werde ich daraus nicht, aber es scheint so etwas wie Osmose bei den Plastikschiffen zu sein oder Rost bei uns Stahlrössern. Nur ansteckend.
Also gestern Abend wurde ich nun Zeugin eines Vorfalls, der mir für die Zukunft etwas Sorgen bereitet. Und da Ihr ja besser auf die beiden Einfluss nehmen könnt als ich, ist es mir wichtig, dass Ihr wisst, was da läuft.
Es begann ganz normal. Um sich die Zeit zu vertreiben, haben sie ein Kartenspiel hervor geholt. Es heisst Skip-Bo. Auf der Packung steht 4+. Entweder heisst das, dass man es nach 4 Uhr nachmittags spielen kann oder ab einem Alter von 4 Jahren. Oder zu mehr als zu viert. Aber Letzteres wohl eher nicht, weil sie es ja zu zweit gespielt haben.
Ich kann mich erinnern, dass sie es schon einmal gespielt hatten, aber sie lasen die Anleitung dennoch nochmal genau durch.
Kurz nach Beginn meinte er (der Skipper), dass er ja sehr gemein begonnen habe, weil von ihm nur Einsen einer einzigen Farbe, blau, ausgelegt wurden. Sie nahmen dann abwechselnd Karten auf und legten ab, aber immer nur blau, weil sie ja mit lauter blauen Einsen begonnen hatten. Das schien immer zäher zu werden und nur dank speziellen Karten, ich denke so etwas wie Joker, kamen sie mühsam weiter.
Irgendwann meinte sie (die Skipperin), man solle doch neu anfangen, die Konstellation sei zu verfahren. Er wollte aber weitermachen und stellte in Aussicht, dass der Bann plötzlich gebrochen sei und es dann plötzlich ganz schnell voran gehe. Schliesslich gab er aber auch auf. Sie diskutierten verschiedene Szenarien, z.B. ‚zwei Spiele vermischt und nun alle Farben ungleich verteilt‚. Denn irgendwie ging etwas bei 12 12er-Reihen und drei Farben nicht auf, wenn plötzlich 6 blaue Einsen rumliegen.
Um sich mehr Klarheit zu verschaffen, zählten sie alle Karten durch. Nichts.
Dann begannen sie also ein zweites Spiel. Und wieder entwickelte es sich gleich!

Anstatt Gegner im Spiel zu sein, waren sie nun Verbündete gegen die so unwahrscheinliche Spielentwicklung (sie hatten natürlich die Karten besonders gut gemischt nach dem ersten Spiel). Wieder lagen nur blaue Kartenstapel vor ihnen. Bei jedem Aufnehmen neuer (ungünstiger) Karten reagierten sie je länger je mehr mit hysterischem Gelache oder ungläubigem Kopfschütteln. Es muss an dieser Stelle gesagt werden, dass sie eine Flasche Wein auf dem Tisch hatten, die zusehends leerer wurde.
Schliesslich konsultierten sie zum dritten Mal die Regeln. Offenbar durchsuchten sie den Text nach Hinweisen zu den Farben. Da schien es ihnen zu dämmern – die Farben haben gar keine relevante Funktion! Alle tiefen Farben sind blau, alle hohen Pink und die dazwischen grün!
Man kann ihnen zugute halten, dass sie es ja noch gemerkt und danach auch ordentliche Partien hingelegt haben. Aber wie lange das gedauert hat!
Ich wende mich an Euch, weil eine Stimme tief in mir sagt, dass 4+ wohl am ehesten ein Hinweis auf das Mindestalter der Spieler ist. Ein Spiel für kleine Kinder und die beiden tun sich so schwer damit! Immerhin: sie haben sich amüsiert dabei und segeln zu meinem Glück besser als sie Spiele spielen.

4 Antworten zu “Mithilfe erbeten”

  1. markus sagt:

    Jenga, dann kann auch die SY September mitspielen! LOL — (…Atlternative, zB Spielkarten mit der passenden Spielanleitung kombinieren und volltstaendig lesen, nur lesen und verstehen was die Spielanleitung aussagt Die Weinflaschenetikette ist genau genommen nicht Teil der Spielanleitung… der Inhalt der Flasche aber: …das steht auf einem anderen Blatt).

  2. Susanne Studer Wacker sagt:

    back to intuition….
    well done

  3. Yvonne Bülow sagt:

    Oh je, arme September!!!
    Vielleicht sollten der Skipper und die Skipperin lieber ein anderes
    Spiel ausprobieren, wie wäre es mit Abalone, da sind die Farben klar
    verteilt. Oder Skyjo ein wunderbares Spiel.
    Also September richte liebe Grüße aus und falls deine Besatzung mal
    wieder in Europa sein sollte, würde ich mich über ein gemeinsames Spiel
    sehr freuen.
    Pass auf dich auf Yvonne

  4. Ruth sagt:

    Ui, was ginge da dann erst ab, wenn die Beiden „Ligretto“ spielten 😉 Die Nerven lägen flach 🙂

Zur Werkzeugleiste springen