Panamakanal Teil II – Unfassbares passiert!


Gleich vorweg:
– der Panamakanal ist Geschichte fuer uns!
– wir sind alle heil und gesund angekommen – eine Selbstverstaendlichkeit? Mal weiterlesen…
– wir liegen im Pazifik!!! Zum ersten Mal mit der September
– unsere temporaere Crew hat den Job super gemacht und alle sind schon wieder von Bord
– fuer Anna, Eric und Daniel war die Passage ein absolutes Highlight. Sie sind aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Wir auch nicht, aber aus anderem Grund …
– Wir haengen gleich an der Einfahrt zu den Miraflores-Schleusen an einer Boje und sehen jeden, der hoch will.

Aber bis hierher war es ein steiniger Weg. Nie haetten wir uns gedacht, dass es danach so viel und derartiges zu berichten geben wuerde.

Was ist denn nun passiert, seit wir wie im letzten Beitrag beschrieben in die erste Schleuse im Dreierpaeckchen einfuhren?

Kaum waren wir drin, wurde etwas nervoes rumgerufen. Das Manoevrieren von drei zusammen gebundenen Booten war aus verschiedenen Gruenden nicht so einfach. Auf jedem Schiff war ein offizieller Advisor zugegen, der die Instruktionen gab, sich mit seinen Kollegen absprach und mit den Schleusenarbeitern ueber Funk oder Zuruf kommunizierten. Zuvor wurden von den Schleusenarbeitern sog. Affenfaeuste zu den Schiffen runter geworfen; Kugeln an einem duennen Seil, das dann um die eigenen dicken Leinen geknotet wurde, damit sie oben an Land festgemacht oder mitgetragen werden konnten, wenn wir uns von Schleusenbecken zu Schleusenbecken bewegten. Das klappte mal ordentlich gut.
Bald wurde es lauter und lauter. Irgend jemand schien da unzufrieden zu sein. Der zentrale Advisor auf dem mittleren Motorkat wurde auch etwas rustikal in seiner Wortwahl, wurde aber umgehend zurecht gewiesen und entschuldigte sich. Dann uferte das Ganze aber ploetzlich aus: der Besitzer des Motorkats kam ploetzlich bruellend zur sagenumwobenen September rueber, beschimpfte die Advisors aufs Primitivste und Wuesteste, wollte sofort deren Vorgesetzte sehen, da er der Meinung war, die Leute da seien alles Volltrottel. Vor Wut schaeumend und immer noch primitiv schimpfend kaempfte er sich zum Skipper der September durch, schrie, er spreche nur noch mit dem Captain der Spetember und schlug ihm vor, sie sollten auf all diese *ucking *sholes gar nicht mehr hoeren, sondern die Kontrolle uebernehmen und diesen bull*hit einfach hinter uns bringen.
Nachdem ihm aber vom Skipper der September mitgeteilt wurde, das Verhalten des vor Wut schaeumenden sei sub-standard und er mit ihm ganz bestimmt nicht spreche, sondern weiterhin nur die Instruktionen der Advisors befolge, wurde er recht ruhig, gab das Kommando ab, verkroch sich und ward kaum noch gesehen.
Die Schleusenmanoever fuer die drei jeweils 9m ueberwindenden Stufen klappten ganz ordentlich, wenn man einmal davon absieht, dass zwei der Landleinen an der rauhen Mauer haengen blieben, waehrend der Tross weiter fuhr und sie somit losgeworfen werden mussten.
Um vor dem amerikanischen Idioten mit dem Motorkat Malolo an der Uebernachtungsboje zu sein, meinte der Advisor wir sollten mit Vollschub aus der letzten Schleuse raus. Allerdings wurden wir locker wieder eingeholt und schliesslich begann auch noch der eine Motor wegen Ueberhitzung zu meckern.
Am Schluss klappte es aber dennoch, Malolo alleine an einer Boje zu lassen, waehrend wir und Wow und spaeter noch zwei weitere Boote alle an der anderen Boje im Paeckchen festmachten. Die Advisors hatten den Plan, Malolo fuer sein Verhalten noch einen Tag an der Boje schmoren zu lassen.
Den Malolo-Eigner hatten wir uebrigens am Vortag im Bus kennen gelernt. Schon vor der Abfahrt um 07.45 hatte er ein Bier in der Hand und zeigte Fotos vom abgebrannten Haus seines Nachbarn in Malibu, der in Deutschland so beruehmt sei, dass er nicht einfach so in der Strasse rumlaufen koenne. Das konnten wir ihm bestaetigen, denn irgendwann kamen wir drauf, dass der etwas seltsam ausgesprochene Nachname dieses sehr netten Thomas wohl Gottschalk sein muesse.
Nun, wir verbrachten noch einen netten Abend, der mit einem Bier auf der Wow (schwedisch-britisch-helvetische Crew) begonnen hatte und ueber feine Spaghetti mit lange von der Co-Skipperin vorgekoechelter Bolognese-Sauce hin zu etwas Gittarrengeklimpere durch den Skipper fuehrte.
Uns wurde am Vorabend auf Anfrage mitgeteilt, dass die neuen Advisors um 7.30 auf die Boote kaemen, Tagwache also so um 6 Uhr frueh. Nach 8 fragten wir ueber Funk mal scheu an, wann es denn eigentlich weiter gehe. 09.30 war die Antwort. Also noch ein Bad, was aber eigentlich verboten ist, u.a. wegen der Krokodile. Es gab schon Leute im Wasser, als dann um 8.30 das Lotsenboot auftauchte. Auch gut. Malolo war auch wieder mit von der Partie. Heute eben haben wir erfahren, dass vor der Strafaktion sein Agent (der hat uns die Leinen und Fender vermietet) von der Kanalbehoerde informiert wurde und dieser dann befuerchtete, von Malolo die Konsequenzen zu spueren. Somit also alles beim Alten, aber der Malolo-Kapitaen den ganzen Tag – natuerlich immer mit Bier in der Hand – ruhig im Hintergrund.
Die Fahrt dann in schoener Natur und umringt von all diesen Riesenpoetten mit unseren Jungs jeweils am Steuer war herrlich. Einzig der ploetzlich auftretende Dieselgeruch sorgte zwischenzeitlich dafuer, dass der Skipper fuer eine Weile im superheissen Maschinenraum verschwand und eine weitere seiner mittlerweile unzaehligen Versehen – im Diesel – ausbadete.
Unser Advisor zeigte uns zwei in der Sonne liegende Krokodile, alles paletti, bene, tipptopp. Die etwa 30 sm legten wir mit ca 6 Knoten Fahrt zurueck. Nach einiger Zeit uebergaben wir das Steuer dann dem Autopiloten und tippten ab und zu Kursaenderungen ein, die der Advisor vorgab. Bis seine Vorgabe nur noch ein Cuidado! Cuidado! gefolgt von einem Riesenknall war!! Leute, wir gehoeren fortan zum ganz kleinen Kreis der Leute, denen es vergoennt war, von einem professionellen Panamakanal-Begleiter direkt in eine Boje gelenkt zu werden. Wow und Au.
Zum Glueck ausser Sachschaden alle Leute an Bord heil. Der Advisor entschuldigte sich und konnte sein Mittagessen nicht mehr einnehmen, so schlecht war ihm fuer den Rest des Tages vor Aerger ueber sich selber.
Was nun? Die Fahrt setzten wir bzw die staehlerne Seppi unbeirrt fort, allerdings mit einer vorne an backbord eingedrueckten und zum Teil abgerissenen Edelstahlreeling und einigen tiefen Beulen in der dicken Edelstahlscheuerleiste und ein paar Schrammen in der Rumpffarbe. Nicht auszudenken, wie ein GFK-Boot nach so einer Frontalkollision aussehen wuerde! Nach einigen Diskussionen mit dem Advisor, was nun zu tun sei – wir waren natuerlich der Meinung, dass wir wohl eher nicht schuld sind, wenn wir einfach den Instruktionen des Profis folgen – kamen wir zum Schluss, dass wir uns das ganze Theater mit Report, Inspektion, evtl Verschiebung unserer Reise nach Costa Rica, Versicherung einschalten und all dem Aerger am besten einfach sparen und den Schaden beheben lassen und fertig.
Die letzten drei Schleusenmanoever liefen gut ab. Bei den Mirafloresschleusen vollfuehrten wir fuer die sehr zahlreichen Leute auf der Besucherterrasse ein Taenzchen an Deck, das freudig erwidert wurde.
Kurz nach der letzten Schleuse dann haengten wir uns an die Boje beim Balboa Yacht Club, wo wir noch einen netten Panamakanalabschlussabend verbrachten.
Morgen sehen wir uebrigens Eric und Anna schon wieder in Costa Rica.

Mittlerweile haben wir den anfaenglich auf 2000 USD geschaetzten Schaden genauer angeschaut, brauchen keinen Ersatz, sondern koennen wohl alles zurecht biegen lassen und wieder anschweissen. Hier am Ort haben wir schon einen Inox-Schweisser aufgetan, der uns das Ganze fuer 150 USD macht. Uff, das scheint wirklich nochmals glimpflich abzulaufen und der Entscheid, den ohnehin hoffnungslosen Instanzenweg nicht zu beschreiten, war wohl auch richtig.
Und: danke September, dass Du so hart im Nehmen bist!

2 Antworten zu “Panamakanal Teil II – Unfassbares passiert!”

  1. Anonymous sagt:

    Na das ist ja noch mal gut aus gegangen , aber wir glauben auch das war die richtige Entscheidung. LG von Inge & Klaus SY HEMBADOO im Moment noch in Martinique morgen ziehen wir weiter , wollen im April/Mai in Panama sein.

  2. Lille Venn sagt:

    Uiuiui, so etwas will keiner erleben. Wir sind froh, dass der Schaden offenbar überschaubar ist. Hebed Sorg. Liebe Grüße von der Lille Venn auf dem Weg in die Tobago Keys.

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