Passage Log Atlantikueberquerung – Tag 9

Wieder ereignisloser Tag. Neuerdings schauen wir nicht mehr nur abends Filme, sondern auch schon tagsueber. Irgendwie muessen wir die Zeit nun mit dem Zweihaender totschlagen. Wir schieben zwar ab und zu eine Lektion Portugiesisch ein, aber insgesamt sind wir so traege, dass es fuer mehr als 2 oder 3 Lektionen einfach nicht reicht.
Wir kommen aber auch voran. Heute morgen um 9 Uhr haben wir endgueltig Kurs Sued eingeschlagen. Theoretisch sollten wir jetzt immer mehr oder weniger direkt auf Fernado de Noronha zuhalten koennen. So schmelzen auch die Seemeilen schneller dahin als wenn wir nicht direkten Kurs haben. Es fehlen nun weniger als 500 Seemeilen, Wind blaest konstant und genuegend. Heutiges Etmal war 129sm. Himmel sieht oft so nach zuercher Novembernachmittag aus, also grau und verhangen. Schon hoffen wir auf Regen. Dann kommt dann doch die Sonne durch und es bleibt einfach das heiss-feuchte Klima. Wann kommt die Zone, in der alles drunter und drueber geht? Absolut kein Schiffsverkehr hier, kein Ton aus der Funke, einfach nichts.
Mit dem Versenden unserer Lebenszeichen hapert es etwas, die Sonnenflecken scheinen zu aktiv zu sein, so dass die Kurzwelle nur noch sehr langsam arbeitet oder gar nicht. Wenn also mal nichts kommt, heisst das nicht, dass wir nicht mehr obenauf schwimmen. Das tun wir, alles ok hier.
Heute gibt es Pizza, gestern Linsensalat mit Gemuese, vorher Gemueseeintopf mit Wuerstchen. Alles lecker. Dazwischen Schoggipudding, Espresso, Prinzenrolle und zum Apero teilen wir uns ein Bierchen – totale Abweichung von der Bordregel, dass waehrend des Segelns absolut nicht getrunken wird. Aber die Verhaeltnisse sind so ruhig und ein Bier zu zweit so bescheiden, dass sowohl Skipper, wie auch der Security Officer gruenes Licht gegeben haben. Nun, beide profitieren vom Entscheid, also ganz unabhaengig ist er nicht gefallen.
Kurzer Fischversuch, aber es schwimmt so viel Gras, dass das einfach nichts wird.
Immer wieder, wenn wir so im Bauch der September sitzen und Filme schauen, waehrend wir einfach so auf dem Meer dahingleiten, ohne rauszuschauen, einfach den Instrumenten vertrauend, finden wir es einfach irgendwie schraeg, seltsam aber auch auf eine besondere Art gut. Vielmehr als wenn wir einfach so ueber die Reling auf die Wellen raus und in die Weite schauen. Schwer zu erklaeren, aber so isses.
Heute Abend erscheint der erste Squall auf dem Radar, zieht aber kurz vor uns durch. Danach erster Regen. Trotzdem bleibt alles ruhig. Das Bootsreinigungsprogramm scheint aber nun begonnen zu haben. Dies auf etwas mehr als 3 Grad Nord und 450sm vom Ziel entfernt.

5 Antworten zu “Passage Log Atlantikueberquerung – Tag 9”

  1. Oli sagt:

    Aber man muss danach immer furzen. Klimateufel. Besser mit Nougat-Eili das Zucker-Depot auffüllen.

  2. Gabi sagt:

    Ich werde schon beim Lesen müde 🙂

  3. martina sagt:

    Wie sind/waren die Koordinaten der Aequatorüberquerung?

  4. martina sagt:

    P.S. Seegraswiesen sollen sehr gute Angelgebiete sein, da diese als Schutz- und Tarnungsgebiet für junge Fische dienen.

  5. martina sagt:

    Meine Internet Recherche bez. Essbarkeit von Seegras hat ergeben, dass Seegras essbar ist und sogar sehr gesund – hoher Proteingehalt – sein soll.
    Einem Logbuch habe ich folgende Passage, die wiederum auf wissenschaftliche Literatur verweist, entnommen:
    Alle Arten und Teile vom Seegras (Zostera marina L.) sind essbar. Roh, frisch als Salat, gekocht als Gemüse, getrocknet als Proviant mitgeführt.
    Frisches Segras liegt waagerecht auf der wasseroberfläche, schon älteres hängt mit einem Ende im Wasser, steht also senkrecht im Wasser.
    Eingelegt mit Essig und Pfeffer schmeckt Seegras ausgezeichnet.

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