Unser letzter Schlag auf der September

Die Seppi scheint den Braten zu riechen. Irgendwie muss sie mitbekommen haben, dass wir uns heimlich vom Acker machen wollen und neue Bewohner für sie suchen. Sie scheint zu wissen, dass der letzte Schlag mit uns bevorsteht. Anders ist nicht zu erklären, was sie alles in die Waagschale wirft, um uns an dem Unterfangen zu hindern oder zumindest noch so viel Zeit und Aufmerksamkeit mit und von uns zu bekommen.

Der erste Versuch bestand darin, zu beginnen, an den Abgastöpfen undichte Stellen zu entwickeln. Was dazu führte, dass der Bordmechaniker diese ausbaute und zum Schweissen geben wollte. Den Job wollte Bobby machen, der versprach, sie am selben Tag abzuholen. Er kam dann nicht. Am nächsten Tag trotz neuerlicher Zusage abermals nicht. Die Töpfe blieben einfach unberührt an Deck stehen. Ohne jegliche Kommunikation von Bobby, musste am Tag vor der Abfahrt eine Lösung her. Ein anderer Schweisser wurde gefunden. Nur um von diesem wenig später zu hören, dass er die Teile nicht anlange, da zu alt. Wir brauchen also neue. Danke, Seppi. Das ist good news für die neuen Eigner. Für Dich mehr quality time mit uns. Wir vermuten, dass die Seppi jedes mal, wenn Bobby vorbei kam, ihm zu verstehen gab, er solle die Töpfe gefälligst auf dem Schiff lassen. Aber damit nicht genug. Beim Einbau der Töpfe wurde festgestellt, dass in der Bilge so eine graue, schmierige Flüssigkeit zu sehen war. Und dann, dass das Motoröl der einen Maschine nicht braun/schwarz, sondern eben auch so grau war. Super! Wasser im Motor! Will die Seppi uns den Abschied so einfach wie möglich machen? Fast sieht es so aus. Oder, sie will uns nochmals zeigen, was wir an ihr haben. Denn in ihrem Bauch führt sie auch eine Kühlwasserpumpe als Ersatz mit, die der Bordmechaniker – der sich eigentlich schon lange mit seiner Gattin auf einem Fahrradausflug auf Guernsey wähnte -, nun einbauen durfte. Ursache (undichte Dichtung in der Pumpe) behoben. Nun noch die graue Suppe aus dem Motor raus. Da hilft es, einen zweiten Motor zu haben, dem man im Rahmen eines sowieso bald fälligen Ölwechsels heisses Öl entnehmen und dem anderen – den man sich nicht mehr anzuschmeissen traut – zuführt, um ihn damit etwas zu ‚waschen‘. Dann entleeren und frisches Öl rein, das dann nach der letzten Fahrt nochmals durch frisches ersetzt wird. Ja Seppi, da bekommst Du nochmals viel Liebe.

Im Moment passieren wir gerade das Cap de la Hague. Vor Kurzem hatten wir noch bis 6 kn Strom (!) mit uns, nun dreht er ein wenig, sollte aber bald nochmals mit uns sein. Kurz vor 6 Uhr gings los, mittags sollten wir am letzten Ziel sein. Wow! Hey, Seppi, mach nicht so ein Gesicht, wir segeln sicher nochmal zusammen. Zum Beispiel, wenn wir Dir neue mögliche Bewohner vorstellen. Also, Kopf hoch! Nimm Dir ein Beispiel am Skipper, dem ist trotz allem das Lachen auf den letzten Metern auch nicht vergangen.

Einige Zeit später:

Mittlerweile sind wir angekommen und liegen schon zwei Tage in Cherbourg! Auf den letzten Metern hatte die Seppi dann ohen Hilfe des Stroms richtig Gas gegeben, Segeln pur war nochmals angesagt, ein schöner Abschluss!

3 Antworten zu “Unser letzter Schlag auf der September”

  1. markus sagt:

    In der Tat, Angriff ist die beste Verteidigung! Was euch bisher nicht abhalten konnte, konnte euch auch in den letzten Seppi Tage nicht in Trauerecke verbannen. Klaus, entweder wirst du wirst arbeitslos oder Kinderkrankeitendoktor werden. Wieviele Einbrennstunden wird Iraila haben wenn ihr sie uebernimmt?

  2. Erhard sagt:

    Schöner Abschluss. Seppi war eine tolle Gefährtin und wird in bester Erinnerung sein. Lasst uns wissen wie es sich anfühlt wenn ihr das letzte Mal von Deck geht und zurückschaut und euch nochmals bedankt für all die schönen und aufregenden Zeit die ihr mit der Seppi erlebt habt..

    Ist ja fast schlimmer als eine Scheidung…!

    Erhard

  3. Toll wie ihr das zusammen gemeistert habt. Ich glaube einbischen wehmütig darf man schon sein, wenn man soviel zusammen erlebt hat. Wir trauen und wollen noch einbischen warten mit dem Boots Verkauf. Es hängt ja wirklich viel Herzblut daran. LG von uns Inge und Klaus

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